NABU - Gruppe Ammersbek e.V.


Juni 2022

Waldrodung neben dem Naturschutzgebiet Heidkoppelmoor

Beim NABU Ammersbek, der für den NABU Schleswig-Holstein das Naturschutzgebiet (NSG) "Heidkoppelmoor und Umgebung" offiziell betreut, klingelte in der letzten Maiwoche mehrfach das Telefon. Verunsicherte und empörte Spaziergängerinnen und Pferdehalterinnen machten sich Luft: "Ein Harvester bricht durch den Wald und macht ihn platt, die Kraniche werden gestört".

Der betroffene Fichtenwald allerdings liegt nicht im NSG. Für seine privaten Eigentümer rodete nun die Forstbetriebsgemeinschaft Stormarn eine 1,8 Hektar große Fläche. Das nördlich angrenzende, etwas größere Waldstück war vor fünf Jahren gerodet und im Wesentlichen mit Douglasien und Rotbuchen wieder aufgeforstet worden. Statt der von Borkenkäfern beeinträchtigten Fichtenmonokultur soll hier zukünftig Mischwald wachsen, denn Waldumbau ist deutschlandweit das Ziel und ein Weg, die Wälder klimastabiler zu machen.

Forstwirtschaft ist, wie auch die Landwirtschaft, nach dem Bundesnaturschutzgesetz privilegiert. Selbst in den allermeisten Naturschutzgebieten ist die sogenannte ordnungsgemäße Forstwirtschaft erlaubt. Erholungssuchenden, die im Naturschutzgebiet dem Recht folgend brav ihren Hund anleinen und auf den Wegen bleiben, muss dies wie Hohn erscheinen.

Unverständlich und in Zeiten abnehmender Artenvielfalt besonders fragwürdig ist, dass die großen Forstmaschinen jederzeit die Waldesruhe stören dürfen, auch in der Kernbrutzeit, wenn Singdrossel, Wintergoldhähnchen oder Tannenmeise auf ihren Küken sitzen. Hier, wo der Kahlschlag direkt an das NSG Heidkoppelmoor anschließt, befand sich sogar in nur etwa 150 Metern Entfernung ein Nest mit einem brütenden Kranichpärchen.

Bereits vor sieben Jahren, als die erste Hälfte des Fichtenwaldes gerodet wurde und der Harvester sogar randlich durch einen Erlen-Feuchtwald des Naturschutzgebiets walzte, um die Fläche zu erreichen, hatte das Kranichpaar sein Nest verlassen und war nicht zurückgekehrt. "Die Privilegierung stellt die Forstwirtschaft nicht über das Artenschutzrecht, auch sie muss das Minimierungsgebot beachten" sagt Thomas Behrends, einer der vier Schutzgebietsbetreuer, die von der Forstwirtschaft mehr Rücksichtnahme fordern. Die Schäden in der Vogelwelt hätten sich minimieren lassen, wenn man in den trockenen Wintermonaten um die Jahreswende oder erst im August, nach der Kernbrutzeit in den Wald eingefahren wäre.

Gegen diesen Missstand, der in ganz Deutschland immer wieder zu Protesten führt, hilft aber leider nur eines: die Änderung des Waldgesetzes.

Kollateralschaden an alter Eiche im NSG

 

Januar 2021

Das Buch " Der Holzweg - Wald im Widerstreit der Interessen " erscheint im Oekom-Verlag. Einer der drei Herausgeber ist der ehemalige leitende Forstdirektor des Lübecker Stadtwaldes, Lutz Fähser. Auch der jetzige Forstdirektor Knut Sturm, Wissenschaftler der Naturwald Akademie in Lübeck/Berlin und die Vorsitzende des NABU Ammersbek gehören zu den Autoren. Schleswig-Holstein ist also gut in dem Buch der fundamentalen Kritik an der deutschen Forstwirtschaft vertreten, obwohl das Bundesland nur 11 % Waldfläche hat.

Juni 2019

Online-Radar gegen Waldzerstörung

Interessierte, Hobbyforscher und Fachleute haben diverse Möglichkeiten wie ornitho.de oder naturgucker.de, um ihre Naturbeobachtungen im Internet festzuhalten, so dass sie zu Statistiken und Forschungen beitragen können. Menschen, die bei ihren Waldspaziergängen Zerstörungen von Wegen, große Rodungsflächen, Verletzungen von Bäumen durch Forstarbeiten oder Fällen von Bäumen mit Fledermaushöhlen im öffentlichen Wald beobachteten oder gar feststellen mussten, dass ihr Wald für eine Baumaßnahme gerodet werden soll, konnten dies bislang nicht. Dies ist nun anders, denn jetzt hat die Naturwaldakademie zusammen mit Robin Wood diese Lücke gefüllt.

Die vielen Bürgerinitiativen in Stormarn und ganz Deutschland, die den Wald vor ihren Haustüren schützen wollen, haben bislang jede für sich Daten gesammelt. Sogar Rückegassenabstände und Holzerntemenge wurden bei manchen überprüft und erfasst.

Die BundesBürgerInitiative Waldschutz (BBIWS), der auch Initiativen aus Reinfeld, Ammersbek und Großhansdorf angehören, war daher froh, als sie von der Naturwaldakademie und Robin Wood für das Projekt, das mehr Transparenz im Umgang mit dem Wald schaffen soll, mit ins Boot geholt wurde.

Die Vertreter der BBIWS  im Norden hatten immer wieder Beobachtungen zu Missständen im Landes- oder Kommunalwald gesammelt, sich auch darüber bei Behörden beschwert, aber dann geriet dies in Vergessenheit, oft als Einzelfälle abgetan. Nun hilft das neue Portal waldreport.de , denn das Internet vergisst nicht. Erste Eintragung aus Ammersbek von Beobachtungen und Beschwerden aus der Vergangenheit, wurden bereits vom NABU Ammersbek  für die Erprobungsphase, bevor das Portal 19/6/19 online ging, eingetragen. Nun heißt es für alle Bürger: Augen auf beim Waldspaziergang und nicht ärgern sondern eintragen.

Links :

https://idw-online.de/de/news717802

http://www.waldreport.de

http://www.naturwald-akademie.org

 

BundesBürgerInitiative Waldschutz (BBIWS) gegründet

Ein Dachverband der Waldschutz-Bürgerinitiativen aus dem gesamten Bundesgebiet hat sich Anfang Juli 2017 in Darmstadt (Hessen) gegründet. Auch die Wald-Ag des NABU Ammersbek hat sich dieser Gründung angeschlossen.

Nach Ansicht der BBIWS ist im deutschen Wald „eine neue und sehr gefährliche Entwicklung erkennbar.“ Seit den Reformen der Landesforst­verwaltungen sei zunehmend eine „holzfabrik-mäßige“ Nutzung der Wälder vor den Gemeinwohlfunktionen in den Vordergrund gerückt. Ausdruck dieser Entwicklung sei u. a. ein stark verdichtetes System von Holz­rückegassen und Forststraßen. Die dabei eingesetzten Erntemaschinen würden die empfindlichen Waldböden irreparabel verdichten. Die gesetzlich festgeschriebenen Schutz- und Erholungs­funktionen des Waldes hätten dabei stark an Bedeutung verloren. „Die eklatanten Defizite an wirklich alten Wäldern mit ausreichenden Totholzmengen als Lebens­raum und zur Sicherung der Artenvielfalt lassen sich“, so ein Sprecher der Bundesinitiative, „mittlerweile auch durch die Daten der Bundeswaldinventur eindeutig belegen.“

Wälder ohne Schutz

Moniert werde vor allem der mangelnde Schutz der Wälder in Deutschland. Die Fläche, auf der aus Naturschutzgründen keine Nutzung mehr zulässig sei, umfasse nicht einmal zwei Prozent der deutschen Waldfläche. Selbst in unter Naturschutz gestellten Waldbeständen werde weiter intensive Holznutzung betrieben. „Unsere Wälder sind schutzlos einer industriemäßigen Forst- und Holzwirtschaft ausge­liefert, für die allein der Preis von Wäldern zählt, nicht aber deren Wert". Der Naturschutz erweise sich als ein zahnloser Bürokraten-Tiger, gerade gut genug, um hier und da noch als grünes Feigenblatt herzuhalten.

Da in nahezu allen Bundesländern die gleiche Problematik in Sachen Waldwirtschaft zu beobachten sei, könne die Initiative nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie unsere Wälder immer mehr ausgebeutet werden und das Prinzip der Nachhaltigkeit nur ökonomisch verwendet wird. Es sei allerhöchste Zeit für ein schnelles Umdenken und Umlenken sowie für eine eingehende Überprüfung der Bewirtschaftungsgrundsätze. „Wir brauchen dringend einen grundlegenden Politikwechsel im deutschen Wald“, so der BI-Sprecher.

Politikwechsel gefordert

Die Bundesinitiative Waldschutz fordert daher, „den seit über zehn Jahren mit der Forstreform beschrittenen Weg umgehend zu verlassen.“ Staatliche Forstbetriebe dürften nicht länger vornehmlich erwerbswirtschaftlich und profitorientiert wirtschaften. Der Wald sei mehr als nur ein Holzlieferant. Sein Schutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der öffentliche Wald sei zudem Bürgerwald. Die Bürger hätten dort ein Recht auf Information und Beteiligung. Dieses werde jedoch von den staatlichen Forstbetrieben systematisch verweigert. 

Ein Katalog mit Forderungen wurde an die Bundesumweltministerin Hendricks sowie an den für Forsten zuständigen Bundesminister Schmidt gesendet. Darin plädiert die Initiative u. a. für eine dauerwaldartige, ökogerechte Bewirtschaftung des öffentlichen Waldes nach dem so genannten „Lübecker Modell“. Wenige Zeit darauf initiierte die BBIWS die Petition"Wald statt Holzfabrik"  zur Änderung des Waldgesetzes: 

https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de

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Alles für den Ofen

Harvester machten Anfang Juli 2015 Dutzende gemeindeeigene Bäume platt, brachen durch einen Schwarzerlen-Feuchtwald im Naturschutzgebiet, genau dort wo Winter- und Sommergoldhähnchen noch brüten, um einen Privatwald zu roden. Auch in dem zweiten Ammersbeker Naturschutzgebiet wurde radikal vorgegangen, der Waldboden wird zerfahren, viele Bäume werden gefällt. Angebliche Wegesicherung 50 Meter vom Weg entfernt.

Schlechtes Vorbild im NSG Heidkoppelmoor

Wer wird im Ammersbeker Naturschutzgebiet Heidkoppelmoor jetzt noch auf dem Weg bleiben oder wie vorgeschrieben seinen Hund anleinen? Warum sollten Spaziergänger den Naturschutz achten, wenn dort ein Monsterfahrzeug quer durch den Wald marodiert, ohne Rücksicht auf Bäume und die dort noch brütenden Vögel?

Rücksichtslos ging dieses Großgerät, ein Harvester, der Bäume absägt, entastet und aus dem Forst herauszieht, auch in der Verlängerung vom Bullenredder vor. Auf diesem gemeindeeigenen ehemaligen Weg wuchs seit vielen Jahren Wald, denn um wichtige Kernzonen des Naturschutzgebietes ungestört zu lassen, war er als Weg offiziell aufgegeben worden. Nun ist er eine Schneise der Verwüstung. Die dickeren Bäume sägte der Harvester ab, die anderen überfuhr er einfach und ließ sie als "Straßenpflaster" liegen.

Ziel war die Rodung eines Privatwaldes durch die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG), aber als Zuwegung wurde kommunales Eigentum genutzt und zerstört. Der Weg ist jetzt wieder offen und zukünftig Einfallstor für Querfeldeingänger zum Brutgebiet der Kraniche. Die Verwaltung der Gemeinde war unzureichend informiert und wurde erst durch den NABU Ammersbek auf das Ausmaß der Zerstörung aufmerksam.

Kleinod der Artenvielfalt im NSG Ammersbek-Niederung vernichtet

Noch größer aber war der Schaden für den Artenschutz, den der NABU im Naturschutzgebiet Ammersbek-Niederung entdeckte: Ein Waldstück von knapp einem Hektar, das mit seinen alten Bäumen einen Ausläufer des Wohldorfer Waldes bildet, war "säuberlich aufgeräumt" worden, ebenfalls von der FBG.

Allgemein ist inzwischen bekannt, welchen hohen Wert Totholz für die Lebensgemeinschaft im Wald hat. In diesem Waldstück gab es besonders viel stehendesTotholz. Solche alten Baumruinen, sind Paradiese für Käfer, Bienen, Spechte und Pilze und beliebte Fotomotive bei Spaziergängern. Sie waren wertvolle Biotope und bildeten keine Gefahr für Passanten auf dem Weg. Am Rand des Wäldchens wuchs ein Hasel, einer der so alt war, dass er sich zu einem beeindruckenden Baum entwickelt hatte, ein besonderes Nussparadies für Eichhörnchen, Bilche und Mäuse.

Jetzt aber ist der Natur-Wert dieses Waldstücks dahin, die Romantik ebenfalls. Altes Totholz liegt dort nur noch wenig, stehendes Totholz wurde umgelegt, obwohl es keine Gefahr darstellte. Es war weit entfernt vom Weg und im Naturschutzgebiet müssen Spaziergänger auf den Wegen bleiben. Der vielstämmige Hasel und mindestens 15 Bäume wurden gefällt, darunter auch geschützte Habitatbäume wie z.B. eine 80jährige Eiche mit Höhle. Fast 20 weitere Bäume sind mit roten Punkten markiert, auch sie erwartet offenbar die Säge. Auch am Weg wurde sehr viel abgesägt, eine augenscheinlich radikale Wegesicherung.

Im Februar hatte der NABU Ammersbek die FBG, die per Vertrag für Ammersbek den Wald bewirtschaftet, auf dieses Kleinod aufmerksam gemacht. Aus der Gemeindeverwaltung und der Politik hatte der Förster der FBG, der Forstfachberater der Landwirtschaftskammer ist, ebenfalls deutliche Signale bekommen, dass Ammersbek mit seinem Wald in Zukunft sensibler umgehen will, insbesondere in den Schutzgebieten.

Offenbar passte dies nicht zusammen mit den Zielen der FBG, denn ihr Geschäftsführer ist auch gleichzeitig der Chef eines großen Kaminholzhandels. Wurden deshalb in diesem Wald mit seinen auch ökonomisch wertvollen Buchen Tatsachen geschaffen? Naturschutzgebiet? Egal, alles für den Ofen.

Ein Experte aus Kiel, Mitverfasser der Roten Liste Schleswig-Holstein, reiste Anfang Juni extra an, um in den alten Baumruinen nach bedrohten Käferarten zu suchen. Er kam leider zu spät.

Unbegreiflicherweise wurde sogar stehendes Totholz umgesägt.